[Review] Árstídir lífsins - Vápna lækjar eldr



Mit ihrem Debutalbum "Jötunheima dolgferd" haben Árstídir lífsins vor zwei Jahren quasi aus dem Nichts ein musikalisch bisher einzigartiges Album geschaffen, dass nicht nur mich überrascht und begeistert haben dürfte. Atmosphärisch, interessant und frei von jeglichen Klischees nimmt sich Mastermind Stefán der Geschichte Islands an, welche er und seine Mitstreiter im wunderbar archaisch klingenden Altisländisch vortragen. Auch wenn schätzungsweise die meisten der Hörer dem (Alt)isländisch nicht mächtig sein dürften, hat man trotzdem irgendwie immer das Gefühl, den Inhalt der Lyrik nachfühlen zu können - Zudem gibt es die englischen Übersetzungen der Texte direkt mit dazu, so dass es sich auf jeden Fall lohnt die Texte in Ruhe durchzulesen.

Kommen wir nun aber zur Gegenwart - "Vápna lækjar eldr", so lautet der Name des zweiten Albums von Árstídir lífsins. Aus dem Briefkasten geholt und ausgepackt konnte die Scheibe schon begeistern, bevor ich sie überhaupt in den Player legen konnte. Optisch wurde hier auf jeden Fall erstklassige Arbeit geleistet. Das Album präsentiert sich in einem übergroßen Booklet, welches in einer schwarzen aufwändig bearbeiteten Kartonage eingebunden ist. Das mit liebe zum Detail gestaltete Booklet beginnt mit einer detaillierten Einführung in das Album. Hier erfährt man direkt worum es textlich geht und woher die Inspiration kam. Ähnlich wie bei dem Vorgängeralbum wird auch hier wieder eine komplette Geschichte erzählt, in diesem Fall von einer isländischen Familie die im 10. Jahrhundert lebte. Wer mehr erfahren will sollte sich die Einführung auf jeden Fall selbst durchlesen. Ansonsten sind in dem Booklet die Texte, die Übersetzungen und diverse Zeichnungen zu finden, die mehr als nur ein kurzes Durchblättern verdient haben.

Nach ausreichender Begutachtung der Aufmachung kam ich dann endlich dazu, die CD in den Player zu legen. Das Album beginnt mit Meer und Windgeräuschen, sanften Akustikklängen und einer auf isländische erzählenden Frauenstimme, bis sich schließlich Chor ,- und Kreischgesang dazugesellen, von Schlagzeug und E-Gitarre untermauert. Bei "Frá þögn Rauma grund hefr þessi ætt komid " geht es wieder ruhiger zu. Warm - melancholische Akustikgitarren leiten das 8 minütige Stück ein, und erzeugen direkt die Atmosphäre wie man sie von Jötunheima dolgferd kennt - als würde man ein paar Jahrhunderte zurückversetzt an langen Fjorden entlang gehen. Die chorartigen Stimmen passen auch hier wieder perfekt in das Gesamtbild, die Stimmung wirkt keinesfalls überladen, was bei dieser breiten Palette an Instrumenten und Musikern wirklich beachtlich ist. Aber auch die klassichen Stilelemente wie Geschredder und Blastbeats sind hier wieder gekonnt und krüppelhart eingesetzt, so wird des öfteren unerwartet der Hammer ausgepackt und die ruhige Stimmung mündet in wilder Raserei. Passend zu den Wutausbrüchen gestalten sich die Texte, die hier und da immer wieder ganz schön blutig ausfallen. Wer hier märchenhafte Helden oder besoffene, tanzende Krieger in den Texten sucht, sollte sich ganz schnell einem anderen Genre bedienen. "Ék sé framtíd í ísa broti" und "Blód -Þorsteinn eystri" verkörpern die Verbindung zwischen Raserei und ruhigen Momenten perfekt. Zweiteres ist mit fast 15 Minuten das längste Stück des Albums, wird aber zu keiner Zeit langweilig. Im allgemeinen bewegen sich die meisten Stück des Albums weit oberhalb der fünf Minuten Grenze, was einem aufgrund der Abwechslung in dem Stücken gar nicht direkt auffällt. Genauso verhält es sich bei Liedern wie "Gyldis kind hefr aldrei dvalist á einum stad" oder "Samkoma um sumar var sett á Þingeyri ". Die Stücke strotzen vor Dynamik und verbinden die Elemente von insgesamt Neun Musikern zu einem Ganzen. Das Line Up hat sich übrigens im Vergleich zum Vorgänger leicht verändert, was aber glücklicherweise nichts an der Grundbesetzung geändert hat. Neben Mastermind Stefán befinden sich Árni, Georg und Marsél weiterhin im Boot, deren Gesänge schon beim Vorgängeralbum für wunderbare Momente gesorgt haben. Gegen Ende des Albums wird die Stilistik weiter beibehalten einzig "Mjök erum tregt tungu" bildet ein kurze Verschnaufpause von der isländischen Sturmgewalt, ehe das Album dann mit dem abschließenden Stück "Fjörbann var mér alltaf vid hlid er ófridr kom upp" endet. Hier gibt es besonders gegen Ende nochmal ordentlich auf die Mütze, sowohl durch Geknüppel als auch durch Epische Zwischenparts, bis das Album dann langsam mit sanften Meergeräuschen gen Ende plätschert.

Was unterm Strich zu sagen bleibt: Árstídir lífsins haben mit "Vápna lækjar eldr" erneut eine geniale Scheibe erschaffen, und verstehen es nach wie vor musikalisch und textlich hoch anspruchsvoll in die mittelalterliche Zeit Islands zu entführen. Meiner Meinung nach sollte das Album als Gesamtwerk in Verbindung mit dem Booklet genossen werden. Wer die Texte liest und die Bilder auf sich wirken lässt, kann hier auf jeden Fall lange Spass an der Scheibe haben. Trotz allem sollte man dem Album Zeit geben, um seine Atmosphäre vollends genießen zu können.

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Label: Ván Records
Veröffentlichungsjahr: 2012

Besetzung:

Stefán: Guitars, Bass, Vocals
Árni: Drums, Viola, Double Bass, Vocals
Georg: Vocals
Marsél: Vocals
Sveinn: Keyboards, Piano & Effects
Kristófr: Percussions
Tómas: Choirs
Teresa: Female Vocals
Kristín: Organ

Trackliste:

01. Friggjar fa mbyggvir er mér falinn
02. Frá þögn Rauma grund hefr þessi ætt komi
03. Ék sé framtí í ísa broti
04. Bló -Þorsteinn eystri
05. Gyl is kind hefr aldrei dvalist á einum sta
06. Samkoma um sumar var sett á Þingeyri
07. Mjök erum tregt tungu
08. Svo lengi sem Sutrs ætt ok ásmegir a hafast, mun þessi jör í ringulrei elta
09. Fjörbann var mér alltaf vi hli er ófri r kom u




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