[Interview] ÁRSTÍÐIR LÍFSINS

Vor rund zwei Monaten haben ÁRSTÍÐIR LÍFSINS ihr Debutalbum "Jötumheima dolgferd" veröffentlicht - Das komplett in Isländisch gehaltene Album entführt auf eine beeindruckende Art in die mittelalterliche Zeit Islands, und bildet durch seine musikalische Abwechslung ein einzigartiges Werk.

Gründer und Hauptsongwriter Stefán beantwortete mir ein paar Fragen zu ÁRSTÍÐIR LÍFSINS. Viel Spass!




Thyrm: Hallo Stefán! Alles klar bei dir?


Stefán: Hallo Julian! Ja, mir geht es gut, danke.


Thyrm: Erstmal Gratulation zu deinem Debütalbum "Jötunheima dolgferd" mit
ÁRSTÍÐIR LÍFSINS. Das Album kam ja quasi aus dem Nichts, was waren die Gründe für dich, ein Projekt abseits von Kerbenok zu starten?



Stefán: Nun, ich spiele ja bereits seit einigen Jahren nicht nur bei Kerbenok, sondern auch in anderen Bands. Beispielsweise habe ich mit den Kielern von Eldborg bereits im Herbst 2008 ein Demotape namens „Ut i det fjerne“ veröffentlicht. Die Idee, ÁRSTÍÐIR LÍFSINS zu gründen, kam mir irgendwann im Frühjahr 2008, kurz bevor ich für 2 Semester nach Reykjavík/Island ging. Ich wollte die Musik, die ich auf Island schrieb, nicht auf der langen Bank liegen lassen; außerdem erschien es mir sehr interessant, mein Studium direkt mit einer Band verbinden zu können. Letzten endes verlief dann der Prozess wesentlich flüssiger als ich es erwartet hatte.



Thyrm: Das Album ist was Songtitel und Texte angeht komplett in Isländisch gehalten, wieso ist es gerade die Isländische Literatur, die dich so begeistert? Könntest du uns ein paar Einblicke in die Lyrische Welt von ÁRSTÍÐIR LÍFSINS geben?



Stefán: Da ein entscheidender Teil der mittelalterlichen Literatur des Nordens auf Island zumindest niedergeschrieben wurde, war es mir sehr wichtig, auch die altisländische Sprache für die Texte zu verwenden, wenn auch ich des flüssigen Lesens wegen eine Mischung aus Neu- & Altisländischem anstrebte. Ich möchte hier ungerne den ganzen Themenkomplex des Albums zusammenfassen (da ohnehin sowohl in der LP- als auch in der CD-Version alle Texte ins Englische übersetzt wurden), vielleicht nur so viel: die Geschichte, die auf „Jötunheima dolgferd“ erzählt wird, erzählt von dem Leben eines einfachen Bauern, der in den Ostfjorden im Frühjahr geboren wird und innerhalb des Zyklus der Jahreszeiten mit vielen soziologischen und anderen Entwicklungen der Frühgeschichte Islands konfrontiert wird, und schließlich im Winter in den Westfjorden stirbt. Dabei griff ich auf viele verschiedene primäre und sekundäre Quellen zurück, sowie eigene Erfahrungen der jeweiligen Umwelt und auf Orts-, Täler- und Fjordnamen.





Thyrm: An den Aufnahmen waren ganze 10 Leute beteiligt, und trotzdem wirkt die Musik keinesfalls überladen. Sind die Lieder/Texte alle komplett von dir geschrieben, oder waren noch mehr Leute an den Kompositionen beteiligt?



Stefán: Ja, ich habe die Musik zu circa 90 % geschrieben. Einzelne Arrangements, größtenteils bei den Gesängen, kommen nicht oder nur zum Teil von mir, beispielsweise die Ríma (das Stück „Eigi hefr á augu, unnkí s komit sí an”). Das Schlagzeug wiederum habe ich zusammen mit Árni ausgearbeitet.



Thyrm: ÁRSTÍÐIR LÍFSINS bedeutet soviel wie "Die Jahreszeiten des Lebens", könntest du deine Gedanken dahinter erläutern?



Stefán: Der Name der Band fasst in relativ lyrischer Form die Texte des Albums zusammen. Da der Hauptprotagonist im Frühling geboren wird und schließlich im Winter stirbt, wird sein Leben im Zyklus der Jahreszeiten beschrieben, ergo den Jahreszeiten des (seines) Lebens. Mir erschien der Name sehr passend, als ich ihn erst nach dem Schreiben aller Texte zusammen mit Árni irgendwann im Frühsommer 2009 fand. Der Name ist kein reines Schlagwort und lässt eine gewisse Freiheit zur Interpretation, die mir sehr wichtig war. Außerdem lassen sich einige Verbindungen zu einzelnen Erzählungen aus der Nordischen Mythologie finden, welche jedoch in den Texten bisher keinen entscheidenden Einfluss gehabt haben.








Thyrm: An den Aufnahmen waren auch Skald Draugir von Helrunar und Blutaar von Drautran beteiligt, wie kam die Zusammenarbeit mit den beiden zustande?


Stefán: Ich kenne beide bereits seit mehreren Jahren. Um genau zu sein seit dem ersten "Av is og ild" – Metal Fest in September 2004, bei welchem sowohl Kerbenok als auch auch Drautran und Helrunar spielten. Wir sind schließlich über die Jahre in Kontakt geblieben und ich fragte beide noch im Herbst 2008, ob sie Interesse hätten, bei ÁRSTÍÐIR LÍFSINS zu singen.



Thyrm: Mit "Jötunheima dolgferd" hast du ein Album erschaffen, dass sich von dem ganzen Einheitsbrei abhebt, Wie siehst du die Problematik der oft "gleich" klingenden Bands, speziell im deutschen Black Metal?


Stefán: Ich möchte in keiner Weise den Moralapostel spielen und über andere Bands oder Musik generell urteilen. Jeder Musiker hat mit Sicherheit etwas ihm spezielles, welches ihn antreibt und das kann ihm auch kein anderer Mensch nehmen, erst recht kein Musiker. Klar klingen viele Bands gleich, aber besser oder schlechter werden sie dadurch auch wieder nicht. Mich sprechen nun zwar generell keine Bands an, die nicht aus der breiten, immer gleich klingenden Masse herausstechen. Trotzdem machen viele ihre Sache rein technisch nicht umbedingt schlecht und sollten daher nicht grundsätzlich verdammt werden.


Ob diese nun deutsche, norwegische, isländische, brasilianische, kanadische, japanische oder wie auch immer -stämmige Bands sind ist dabei genauso uninteressant wie das Faktum, dass sie erst 2 oder bereits 20 Jahre Musik spielen.



Thyrm: Denkst du es lässt sich verwirklichen, eines Tages mit ÁRSTÍÐIR LÍFSINS live aufzutreten?


Stefán: Auftritte sind vorerst noch nicht geplant. Eventuell werden wir dies nach der zweiten Veröffentlichung ins Auge fassen, jedoch in keinem Fall vor 2012.


Thyrm: Zu guter Letzt, welche Bands/Alben rotieren zurzeit am häufigsten in deinem CD Player?


Stefán: Oh, da gibt es sicherlich viele. Ich versuche mich aber einmal kurz zu halten und erwähne nur 5:

Griftegård – Solemn: Sacred: Severe
Valravn – Koder på Snor
Enslaved – Axioma Ethica Odini
Helrunar – Sól
Todtgelichter – Angst




Thyrm: Wir bedanken uns für das Beantworten der Fragen!! Die Letzten Worte gehören dir!



Stefán: Vielen Dank für das Interview.




(Thyrm - ginnungagapmetal.de)
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