[Interview] Grabfinsternis

Grabfinsternis ist eine seit 2007 existierende Black Metal Band aus Karlsruhe, die sich mit ihrer ersten Demo "Wahn" schon recht beliebt gespielt hat in der hiesigen Umgebung. Ich unterhielt mich mit Sänger Schynderhannes über die Band, deren Zukunftspläne, und über alles, was es sonst noch so zu bequatschen gab. Viel Spass!




Thyrm: Okay, erstmal ein paar Worte zu eurer ersten Demo "Wahn". Die Scheibe beinhaltet 3 sehr gut produzierte Stücke, was bei vielen lokalen Black Metal Bands nicht der Fall ist, wie wichtig war es euch, die Songs professionell aufzunehmen?

Schynderhannes: Wir sind als Band vor unserer ersten Aufnahme zu dem Schluss gekommen, definitiv qualitativ hochwertige Produktionen veröffentlichen zu wollen. Nicht nur unser erstes Demo, sondern auch alle zukünftigen Veröffentlichungen. Musikalische und technische Qualität sind für Grabfinsternis wichtige Kriterien. Gerade wenn man sich die Quantität von aktuellen Black Metal Veröffentlichungen (besonders aus Deutschland beziehungsweise im Demo-Bereich) vergegenwärtigt, ist das denke ich eine recht produktive Einstellung. Voll zufrieden sind wird dennoch nicht; Der Sound ist im Mix letztendlich zwar kraftvoll geworden, lässt aber so manches Detail vermissen. Es handelt sich ja aber nicht umsonst um ein fünfzehn minütiges Demo, als Ergebnis unserer ersten gemeinsamen Studioarbeit. Für zukünftige Veröffentlichungen wünschen wir uns vor allem etwas mehr Rohheit und somit einen Hauch mehr „Seele“ im Klang.

Thyrm: Denkt ihr, dass manche Bands bewusst die "schlechtere" Produktion wählen?


Schynderhannes: Natürlich. Gerade im Black Metal ist dies durchaus eine gängige und nachvollziehbare Methode. Die gewünschte Atmosphäre stellt sich meiner Meinung nach durch eine eher schlechte Produktion trotzdem nur bei wenigen Bands ein.

Thyrm: Ihr konntet in der letzten Zeit schon einige Liveauftritte verbuchen, wie wichtig ist es euch live zu spielen? Seid ihr zufrieden mit den bisherigen Gigs?


Schynderhannes: Für mich sind Auftritte der eigentliche Grund, in einer Band aktiv zu sein. Wenn man die anfänglichen Besetzungsprobleme von Grabfinsternis bedenkt, kann ich mich schon alleine mit dem Fakt, dass wir mittlerweile (wieder) live spielen können zufrieden geben.
Unsere Konzerte haben mir bisher immer gefallen. Von der Authentizität und Intensität unseres Auftretens her gesehen und auf die hervorgerufene Atmosphäre bezogen konnten wir uns denke ich kontinuierlich von Darbietung zu Darbietung steigern. Dieses Gefühl habe ich schon deshalb, weil mir das neuere Liedmaterial von Grabfinsternis besser zusagt. Trotz dieser subjektiven Steigerung ist bei unseren Auftritten noch deutlich Raum nach oben...


Thyrm: Mir ist aufgefallen, dass ihr live noch viele andere Aspekte in die Musik miteinbringt, wie z.B. Cleangesang. Wird sich das auf den nächsten Veröffentlichungen wiederfinden?


Schynderhannes: Gerade der Gesang hat sich über die Jahre deutlich weiter entwickelt. Das spiegelt sich natürlich in den jüngeren Liedern, die Monate bzw. teilweise sogar Jahre nach unseren Demotiteln entstanden sind, wider. Aspekte wie die gelegentlichen cleanen Passagen sorgen dafür, dass sich die kommenden Veröffentlichung klar von „Wahn“ abheben werden.


Foto: Myspace.com/Grabfinsternis


Thyrm: Dann mal noch eine letzte Frage zum Thema Live - Gibt es ein bestimmtes Festival oder ähnliches, wo ihr gerne mal spielen würdet?


Schynderhannes: Da gibt es sicherlich einige, auch hier in Deutschland. Festivals bieten einfach eine ganz andere Stimmung als eintägige Konzerte. Ob sich das auch auf einen Auftritt auswirkt, müssen wir erst noch herausfinden, hehe.

Thyrm: Okay dann schweifen wir mal wieder ab zu einem anderen Thema - Eure Musik klingt doch schon recht eigenständig, und hebt sich von vielen anderen Bands ab. Denkt ihr es ist ein Problem im Black Metal Bereich, dass viele Bands ihre Individualität verlieren?


Schynderhannes: Nein, ich glaube nicht, dass unsere Musik allzu eigenständig klingt. Sicherlich nicht das, was wir bisher veröffentlicht haben. Jedenfalls klingen wir nicht anders, als die meisten Bands aus unserem Genre...
Generell ist es in der Kunst so, dass viele Menschen erst gar keine Individualität in ihren Werken entwickeln und ausdrücken können. Das hat aber noch niemanden daran gehindert, Stile gekonnt zu kopieren bzw. später sogar durch ihre eigene Arbeit in diesem Bereich zu perfektionieren.


Thyrm Wo wir bei Individualität sind, hast du gesanglich irgendwelche Einflüsse bzw. Vorbilder?


Schynderhannes: Ja, da seien definitiv M. Roth, Landfermann und Sturm deiner Winter genannt. Ich denke, dass ich stimmlich hörbar zu ihren Gesangstechniken tendiere. Vielleicht hängt das aber auch einfach mit meiner Stimmlage zusammen und Schynderhannes klingt grim bzw. klar singend einfach so, wie er klingt... Vom Gesangsrhythmus her gesehen hängt auch viel mit meiner Art und Weise Texte zu verfassen zusammen – wobei wahrscheinlich auch hier (unbewusste) Parallelen zu den eben genannten Sängern entstanden sind.



Thyrm: War es für dich wichtig verständlich zu singen, oder kam das durch die genannten Einflüsse?


Schynderhannes: Das hat sich nach viel Gesangstraining im Laufe der Zeit so entwickelt. Ist aber gleichzeitig auch auf meine Gesangstechnik zurückzuführen.

Thyrm: Mal ein anderes Thema, wie siehst du die Problematik der immer öfter vorkommenden NSBM Bands in Deutschland? Setzt du dich damit auseinander?


Schynderhannes: Man kommt ja nicht mehr drum herum... Die Anzahl der Bands die mit NS in Verbindung gebracht werden wollen oder können ist unerträglich hoch geworden. Wobei man dazu sagen muss, dass viele ungerechtfertigt einer gewissen Szene zugeordnet werden und dass darüber hinaus einige Gruppen diese Richtung nur sehr unglaubwürdig eingeschlagen haben. Umstrittene Themen sind und bleiben nun mal handfeste Publicity.

Thyrm:Das stimmt wohl leider - Kommen wir wieder zu eurer Musik zurück, wann kann man mit einer neuen Veröffentlichung eurerseits rechnen? Ist vielleicht schon ein Albumrelease in Sicht?


Schynderhannes: Wir haben uns die letzten Monate über auf Liveaktivitäten konzentriert und sind davor durch einen Auslandsaufenthalt über ein knappes Jahr hinweg nicht mehr gemeinsam im Proberaum gewesen. Das zögert das erste Album von Grabfinsternis auf jeden Fall hinaus.
Durch diesen langen Zeitraum, in dem wir uns nicht sehr auf die (Weiter-)Entwicklung neuer Lieder konzentrieren konnten, sind im Endeffekt nicht viele Stücke in einem jeweils ähnlichen Stil ausgefallen. Daher tendieren wir eher zu einer Splitveröffentlichung, statt einem kompletten Album, welches dann mehr oder minder „zusammengewürfelt“ klingen würde. Im Frühjahr 2011 möchten wir diese Idee einer weiteren, kleineren Veröffentlichung konkret angehen.


Thyrm: Habt ihr schon eine Band im Kopf, mit denen ihr die Split machen wollt?


Schynderhannes: Zwar sind Vargsheim, wie es auch in deinem Interview mit Imperium Dekadenz zu hören ist, im Moment bereits mit der Fertigstellung eines Splits beschäftigt. Dennoch planen sie eine weitere Veröffentlichung mit uns. Besonders ihr Auftritt auf dem Mordfest Festival, für das sowohl VARGSHEIM als auch GF gebucht wurden, lässt auf ein vielversprechendes Projekt hoffen.

Thyrm: Coole Sache! Wusste ich nicht. Was mich persönlich mal interessieren würde, wie siehts denn mit der Metalszene in Karlsruhe aus? Gibt ja schon einige Konzerte dort.


Schynderhannes: Fragen wir mal so: Wie viele Bands kennt man aus Karlsruhe? In jüngster Zeit sind allerdings tatsächlich überraschend viele Konzerte hier vor Ort. Leider zu selten im Black Metal Bereich und genauso selten handelt es sich um Tournees. Der Großteil der Veranstaltungen beschränkt sich also auf regionale und nur wenige überregionale Bands. Gleichermaßen sieht es beim Publikum aus. Das ist nicht negativ gemeint - die Sache kommt aber dadurch leider nicht über einen gewissen Rahmen hinaus. Ein kleiner Lichtblick ist da der Abend mit MYSTIFIER, ETERNITY und GRÄFENSTEIN am 26. November. Da wir selbst dort auftreten werden weiß ich allerdings, dass Karlsruhe leider nur aus der Not heraus als Veranstaltungsort gewählt wurde... Wir organisieren selbst ab und an Konzerte; Das klappt allerdings nur selten, wodurch meine Hoffnung nach wie vor in der weiteren Vernetzung der hier ansässigen Bands und Fans bzw. den Leuten aus dem Umland liegt. So kann schon Einiges auf die Beine gestellt werden. Ein Bedarf an hochwertigen Konzerten ist immer vorhanden.
Booker, die ihre Bands auch mal in den Süden Deutschlands schicken möchte, dürfen gerne mit uns Kontakt aufnehmen.


Thyrm: Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Schynderhannes: Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und das Interesse an Grabfinsternis.

( Thyrm - www.ginnungagapmetal.de )
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