[Interview] Alboin [EIS]

Viel Neues gibt es zu vermelden aus dem Hause EIS - hauptsächlich in der Besetzung denn da wurden einige drastische Veränderungen vorgenommen.

In einem interessanten Chatgespräch mit Bandchef Alboin konnte ich einiges über die Line-Up Veränderungen und über das nächste EIS Album in Erfahrung bringen.
Viel Spass beim Lesen!





Julian: Grüße dich Alboin! Ich hoffe, es ist alles klar soweit? Wie laufen die Proben zurzeit?


Alboin: Guten Abend Julian. Danke, mir gehts ganz gut. Unsere Proben sind derzeit für unsere Verhältnisse sehr intensiv. Marlek und ich proben, sooft es unsere Zeit zulässt, und wir sind dabei sehr konzentriert und kommen gut voran. Mit Proben für Konzerte werden wir allerdings erst Ende April beginnen.



Julian: Das klingt ja schonmal vielversprechend. Bald steht ein neues EIS Album vor der Tür, und ich hatte ja bereits das Glück, mir einige Aufnahmen vom neuen Material anhören zu dürfen. Deine Inspiration für die neuen Songs hast du diesmal wie du selbst sagst, in der Bergthematik gefunden. Was genau fasziniert dich daran?


Alboin: Das kann man so noch nicht genau sagen. Vielmehr ist es so, dass das, was ich bei den neuen Stücken empfinde, sehr viel mit kargen Felslandschaften, weiten weißgleißenden Schneeflächen und Vereisung zu tun hat. Die Texte für das Album sind noch nicht fertig, deshalb kann sich daran auch noch jederzeit etwas ändern. Was mich daran fasziniert ist vor allem die menschen- und weltferne Atmosphäre von Hochgebirgen und Gletschern, das Gefühl, gar nichts zu sein gegenüber dieser majestätischen Gewalt. In etwa so fühle ich mich auch mit dem Material für das neue Album. Deshalb inspirieren sich das Album und die Thematik im Grunde gegenseitig.


Julian: Ja, die Atmosphäre die du ansprichst konnte man auch sofort in der Musik wiedererkennen wie ich finde. Gibt es einen speziellen Ort oder eine spezielle Erfahrung die deine Faszination hierfür geweckt hat?


Alboin: Eigentlich nicht. Um ehrlich zu sein, ist das eher eine Stimmung, die ich vor meinem geistigen Auge sehe, wie eine Szenerie, die ich mit Musik beschreibe. Meine Musik und meine Texte sind sehr metaphorisch und drücken immer etwas aus, das meinem Leben und seiner Entwicklung entspricht - und diese Szenerie trifft das, was ich sagen möchte, derzeit eben am besten. Ein wenig Inspiration haben sicher das Buch "In eisige Höhen" von Jon Krakauer und der Film "Nordwand" gegeben, aber auch nur, weil sie einiges von dem umsetzen, was mir vorschwebt.


Julian: Okay, kommen wir mal auf den Besetzungswechsel zu sprechen - Die Band besteht nun nur noch aus dir und Marlek - angenommen ihr hättet das Line Up beibehalten, wie groß wäre der Unterschied zwischen einem neuen EIS Album mit den "alten" Membern, und dem EIS Album das uns nun erwartet?


Alboin: Dieses Album der alten Mitglieder gibt es ja. Cypher und Hedrykk haben es geschrieben, es ist aufgenommen und wird von ihrer neuen Band als Debüt veröffentlicht werden. Ein Song, den ich beigesteuert hatte, ist jetzt nicht mehr Teil des Albums, weil er auch stilistisch gar nicht gepasst hätte.

Dieses Album hat im Grunde mit dem, wofür GEIST noch mit "Galeere" und den vorigen Alben stand, gar nichts mehr zu tun. Es ist viel langsamer, viel zäher und stilistisch breiter gefächert - ich würde sagen, das geht schon weit in den Post-Bereich. Bei den Proben gefiel mir das Material eigentlich gut, aber die fertige Aufnahme gibt mir leider gar nichts mehr, und ich hätte einfach nicht damit leben wollen, das mit dieser Band zu veröffentlichen. Das Material ist sicher sehr gut, hervorragend komponiert, toll gespielt und auf der Höhe der Zeit produziert, aber emotional gibt es mir nichts. Aber ich denke, da wird sich jeder in ein paar Monaten selbst ein Bild machen können.



Julian: War es prinzipiell kein komisches Gefühl, als "Bandkopf" die Zügel aus der Hand zu geben? Das neue Album hätte ja - wäre es so gekommen - kaum Songs von dir beinhaltet.


Alboin: Doch, schon. Aber ich muss ganz ehrlich zugeben, dass die letzten drei Jahre für mich in vielerlei Hinsicht sehr turbulent und anstrengend waren. Das Ergebnis war, dass ich einfach keine Musik machen konnte, ich war nicht inspiriert. Weil ich aber die Band auch nicht behindern wollte, war und bin ich sogar dankbar, dass Cypher und Hedrykk eingesprungen sind und habe lange probiert, daran Gefallen zu finden. Mir ist aber irgendwann, leider sehr spät, aufgefallen, wieviel mir diese Band wert ist, die Marlek und ich seit acht Jahren aufbauen. Dann lieber keine Musik mehr, als Musik, die mich nicht berührt. Deshalb ist die Entscheidung unumgänglich gewesen, und rückblickend ist sie absolut richtig.


Julian: Ja das ist allerdings nachvollziehbar. Also scheint die Inspiration bei dir nun wieder zu "fließen"?


Alboin: Seltsamerweise schon. Mich hat diese Situation, die viele als ausweglos und prinzipielles Ende der Band gesehen haben werden, enorm angespornt. Das war schon nach "Kainsmal" in der damaligen vergleichbaren Situation so. Bei mir hat sich ein "jetzt erst recht"-Gefühl eingestellt, das alles freigesetzt hat, was mir die letzten Jahre gefehlt hat.


Julian: Dann kann man ja allerdings froh sein, dass es nicht anders ausgegangen ist.

Ihr habt ja jetzt aktuell nicht nur die Besetzung gewechselt, sondern auch euer Logo. Stehen der Besetzungswechsel und das neue Logo für dich im Zusammenhang?



Alboin: Ja, auf jeden Fall. Das neue Logo ist für mich schon eine Art symbolischer Neuanfang. Das provisorische EIS-Logo bestand ja nur aus den mittleren Buchstaben des GEIST-Logos, und das fühlte sich ein wenig an wie eine zurechtgestutzte Band. Das neue Logo bedeutet für mich endlich eine neue, fokussierte Identität, eine echte neue Band mit neuem Namen. Das ist natürlich alles nur Äußerlichkeit, aber es drückt sehr gut aus, wie ich mich damit fühle.


Julian: Das Logo scheint mir auch optisch gut zum Konzept des neuen Albums zu passen. Wird in naher Zukunft Merchandise mit dem neuen Logo in den Druck gehen? "Eis" Shirts gab es ja bisher allgemein noch keine, wenn ich das richtig gesehen habe.


Alboin: Nein, die gab es bisher nicht. Wir wünschen uns schon neues Merchandise, aber das ist momentan sekundär. Spätestens zum neuen Album wird es sicherlich auch etwas geben, vielleicht auch schon früher. Vielleicht fällt uns etwas Schönes, Schlichtes mit dem Logo ein.


Julian: Wäre auf jeden fall eine coole Sache. Im Sommer dieses Jahres habt ihr ja bereits euren nächsten Auftritt auf dem Extremefest. Wie läuft denn die Suche nach neuen Livemusikern? Besteht keine Angst, bis dahin vielleicht keine passenden Leute zu finden?


Alboin: Im Grunde haben wir bis auf einen zweiten Gitarristen die Suche nach neuen Livemusikern schon erfolgreich hinter uns gebracht, und ich bin da auch sehr optimistisch. Auch für den letzten vakanten Posten wird sich noch jemand finden, da bin ich mir sicher. Angst habe ich keine. Wovor auch, was soll schon passieren?


Julian: Ich stelle mir es nur irgendwie unbehaglich vor, wenn man einen festen Termin hat, und bis dahin alles sitzen muss. Aber das klingt ja schon mal sehr positiv. Nochmal ein paar Worte zum Extremefest - Dieses Festival bietet ja ein ziemlich breites Spektrum an Bands, und mit beispielsweise Farsot oder Helrunar seid ihr ja nicht die einzigen Vertreter des deutschen Black Metal. Denkst du die Atmosphäre dieser, oder speziell eurer Musik kommt auf so einem Festival ähnlich rüber wie in einem Club ? Ich meine kommt ja nicht selten vor, dass man mal Mittags um 12 ran muss beispielsweise.


Alboin: Wir haben den Wunsch geäußert, nachts spielen zu können, und das wird auch so sein. Gerade das neue Material bzw. das Auftreten, das mir für zukünftige EIS-Konzerte vorschwebt, würde wirklich nicht zu Tageslicht passen, das stimmt. Und was die Unbehaglichkeit angeht... da bin ich arrogant genug, um darauf zu vertrauen, dass alles funktionieren wird.


Julian: Das ihr Nachts spielt ist natürlich super. Hätte mir ein Lied wie "Galeere" oder "Winters Schwingenschlag" auch schwer in der Morgensonne beim Frühstück vorstellen können.


Um nochmal kurz auf das neue Album und die textlichen Vorstellungen sprechen zu kommen - Auf "Galeere" hast du ja alles ziemlich metaphorisch in die maritime Thematik gehüllt - kann man sich das bei der neuen Scheibe ähnlich vorstellen? Also ich meine das metaphorische Umsetzen von Aussagen oder Gedanken durch eine bestimmte Thematik oder bestimmten Bildern?



Alboin: Das ist genau das, was ich vorhin schon ansprach - so wird es wohl sein, ja. Ich kann auch gar nicht anders. Mit jedem Versuch, Texte anderer Stilistik oder Musik mit anderen Einflüssen zu schreiben, bin ich selbst nie warm geworden. Das liegt auch daran, dass ich ein heillos nostalgischer Mensch bin, bei meiner eigenen und bei der Musik, die ich selbst gerne höre. Für mich sehe ich keinen Sinn darin, etwas anders machen zu müssen, nur um es anders zu machen. Ich habe das Gefühl, meine Ausdrucksform gefunden zu haben, deshalb wird sich das Album in seiner Machart auch nicht allzu sehr von den anderen dreien unterscheiden, denke ich.


Julian: Das freut mich zu hören, ich fand die Lyrik auf den bisherigen Album immer sehr stilvoll. Okay da wir uns langsam Richtung Ende des Interviews bewegen würde ich dir gerne noch ein paar allgemeine Fragen stellen - Welches Buch hast du als letztes gelesen / welchen Film als letztes geschaut?


Alboin: Leider fehlt mir gerade zum Lesen in den letzten Monaten die Zeit. Aktuell lese ich einen recht melancholischen Roman aus Schweden, der von der Umbruchstimmung zu Anfang der 60er Jahre handelt, "Der Jukebox-Mann" von Ake Edwardson. Zuletzt habe ich "American Beauty" geschaut, den ich noch nicht kannte und dessen Stimmung ich sehr faszinierend fand. Das letzte Album ist die zweite KEEP OF KALESSIN, "Agnen", gewesen, die gerade noch im Hintergrund läuft. Das Album habe ich unterschätzt - miese Produktion, aber unglaubliche Riffs.


Julian: Ja die Problematik mit der Zeit fürs Lesen ist mir leider bekannt. Aber wo wir gerade bei Alben sind, deine Favoriten 2011?


Alboin: Das sind nicht viele. EINHERJER "Nörrön" ist fantastisch, genau wie die neue HELHEIM "Heidindomr Ok Motgangr". Was mich sehr gefreut hat ist, dass mein alter Freund Martin mit ENIDs "Munsalvaesche" ein schönes neues Album veröffentlicht hat. An undergroundigeren Veröffentlichungen habe ich fast nichts gehört oder mindestens nichts, das mich irgendwie interessiert hätte. Stattdessen muss ich zugeben, dass ich die letzte POWERWOLF unglaublich packend fand, und das ist bei Power Metal das größte Kompliment, das ich aussprechen kann.


Julian: Okay die genannten Alben sind so ziemlich alle an mir vorbei gegangen muss ich sagen - aber ab und zu Power Metal muss ja auch mal sein, was?


Alboin: Eigentlich nicht, aber in DEM Fall...


Julian: Ich darf darüber als ehemaliger großer Hammerfallfan nichts sagen haha - gut, kommen wir zur vorletzten Frage: Wenn du morgen Urlaub hättest, in welches Land bzw. in welche Region würde es dich ziehen?


Alboin: Das ist eine miese Frage, weil ich noch so viele Orte auf dieser Welt sehen möchte. Aber ich vermute, jetzt gerade wäre es Island.


Julian: Alles klar Alboin, kommen wir langsam zum Ende. Meine Frage zum Abschluss: Was hältst du von den zahlreichen "Weltuntergangsvorhersagen 2012" und deren Ursprung?


Alboin: Was hältst Du vom Weihnachtsmann?


Julian: Der müsste ja dann ungefähr zur selben Zeit kommen ; )


Alboin: Also auch nie. Wenn die Welt untergeht, dann werden wir das nicht auf eine kosmische Katastrophe oder irgendetwas anderes schieben können, an dem die Menschheit nicht selbst schuld ist.


Julian: Das ist wohl wahr.

Nungut, dann wars das auch schon wieder, ich möchte mich bei dir für den interessanten und angenehmen Chat bedanken und überlasse dir die letzten Worte.



Alboin: Ich habe zu danken. Es geht doch gerade erst los, mit letzten Dingen warte ich noch.



( Thyrm - www.ginnungagapmetal.de)
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